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Vortrag “Mutterschaft und ihre Auswirkungen auf das Skelett: Neue bioarchäologische Methoden zur Untersuchung von knöchernen Geburtsmerkmalen” des BAG-Förderpreisträgers Lukas Waltenberger (Reihe NeuBioArch)

8. November @ 18:30 - 20:00 CET

Kostenlos

Schwangerschaft und Geburt sind schwer zu greifende Themen in der Bioarchäologie, da der direkte Nachweis von Müttern in der Vergangenheit oft auf Sarggeburten oder DNA-Ergebnisse, die eine direkte Verwandtschaft nachweisen, limitiert war. Die medizinhistorische Literatur zeigt, dass Geburten für die Mütter und/oder das Kind regelmäßig tödlich geendet haben, da die Infektionsrate bei Geburten sehr hoch war bzw. ein enger Geburtskanal zu Geburtskomplikationen führen kann. Seit über 50 Jahren sind in der Anthropologie sogenannte knöcherne Geburtsmerkmale am Becken bekannt (parturition scars), die regelmäßig am weiblichen Beckenknochen zu finden sind. Deswegen wurden diese oft als Auswirkungen des körperlich belastenden Geburtsvorganges interpretiert. Problematisch ist aber, dass regelmäßig Mütter keine knöchernen Geburtsmerkmale ausbilden oder diese auch immer wieder am männlichen Becken beobachtbar sind. Der Grund für die Bildung der knöchernen Geburtsmerkmale ist immer noch nicht eindeutig geklärt und in der Anthropologie sehr umstritten.

Das Ziel dieses Projektes war es, knöcherne Geburtsmerkmale mit modernsten analytischen Methoden zu untersuchen, um der Ursache ihrer Entstehung auf den Grund zu gehen. Dafür wurden archäologische Skelette und moderne forensische CT-Daten mit detaillierten Hintergrundinformationen über die Verstorbenen mithilfe geometrisch-morphometrischer, histologischer und multivariaten statistischen Methoden untersucht.

Die Ergebnisse zeigten, dass ein Merkmal, das auch regelmäßig bei Männern zu finden ist (Sulcus präauricularis), hauptsächlich durch eine biomechanische Fehlbelastung entsteht und sich ein Leben lang verändert, wohingegen das sogenannte Dorsal pubic pitting hauptsächlich bei Frauen auftritt und mit Schwangerschaft und Geburt zusammenhängt. Trotz großer individueller Variabilität dieses Merkmals eignet sich das Dorsal pubic pitting für eine Bestimmung der Geburtenanzahl am weiblichen Becken.

In diesem Vortrag werden neue bioarchäologische Methoden zur Bestimmung von Reproduktion in der Vergangenheit vorgestellt sowie Anwendungsmöglichkeiten und Ursachen für die Bildung von knöchernen Geburtsmerkmalen diskutiert. Die vorgestellten Ergebnisse sind nicht auf eine archäologische Anwendung limitiert, sondern bringen auch wichtige Erkenntnisse für den medizinischen und evolutionsbiologischen Bereich zum Verständnis der Auswirkungen von Schwangerschaft und Geburten auf den menschlichen Körper.

Lukas Waltenberger, BSc, MSc, PhD ist Biologischer Anthropologe am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und ist Träger des BAG Förderpreises 2021, Kategorie Dissertation.

Zoom-Link: https://oeaw-ac-at.zoom.us/j/93815658302?pwd=ZmdpSWR3cmlHRGZ3YytpZk0zZHYwQT09
(Meeting ID: 938 1565 8302, Passcode: JXhqD7)

Details

Datum:
8. November
Zeit:
18:30 - 20:00 CET
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

Bioarchäologische Gesellschaft Österreichs
Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Veranstaltungsort

Zoom Meeting/Webinar