
| “Gewalt als analytisches Konzept in der Bioarchäologie: Neue Perspektiven aus Museumssammlungen” von Constanze Schattke
Osteologische Museumssammlungen stellen wichtige Quellen für bioarchäologische Forschung dar, ihre Erwerbsgeschichten sind jedoch häufig von Gewalt geprägt. Am Beispiel der Abteilung für Anthropologie des Naturhistorischen Museums Wien präsentiert der Vortrag wie Gewalt als interdisziplinäres Konzept eingesetzt werden kann, um die Erwerbskontexte um menschliche Überreste zu erkennen, analysieren und zu kontextualisieren. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur allein die anthropologische Untersuchung der einzelnen Individuen, sondern auch die Klärung der Provenienz. Neben Fallbeispielen aus Tansania und Bosnien-Herzegowina wird durch eine sammlungsweite Analyse gezeigt, wie archivalische mit osteologischen Daten verknüpft werden können. Abschließend wird noch ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Gewalt in der Bioarchäologie skizziert und Perspektiven für zukünftige Forschungsmöglichkeiten aufgezeigt. |
“Violence as an analytical concept in bioarchaeology: new perspectives from museum collections” by Constanze Schattke
Osteological museum collections are important sources for bioarchaeological research, but their acquisition histories are often marked by violence. Using the example of the Department of Anthropology at the Natural History Museum in Vienna, the lecture presents how violence can be used as an interdisciplinary concept to identify, analyse and contextualise the acquisition contexts surrounding human remains. The focus is not only on the anthropological examination of individual individuals, but also on clarifying their provenance. In addition to case studies from Tanzania and Bosnia-Herzegovina, a collection-wide analysis will show how archival data can be linked to osteological data. Finally, an overview of the current state of research on violence in bioarchaeology will be outlined and perspectives for future research opportunities will be presented. |
Constanze Schattke ist Biologische Anthropologin am Naturhistorischen Museum Wien (NHM).
| „Das fehlende Narrativ — Wie osteobiografische Forschung die Geschichte der Awaren vervollständigt“ von Luna Macho
Während die späte Awarenzeit in Mittel- und Osteuropa (720–822 n. Chr.) Historikern nur wenige Quellen über das Awarenreich und seinen Untergang liefert, haben die archäologischen Wissenschaften mehrere Grabstätten aus diesem Jahrhundert geopolitischer Instabilität entdeckt. In der vorgestellten Studie geben Osteobiografien einer avarischen Bevölkerung aus dem 8. Jahrhundert, die im heutigen Hirschstetten (Wien, Österreich) ausgegraben wurde, Einblicke in die Lebensbedingungen und die Gesundheit im frühen Mittelalter. Damit füllt die bioarchäologische Forschung zur späten Awarenzeit nicht nur Wissenslücken, sondern liefert auch eine Erklärung dafür, warum die historischen Quellen aus dieser Zeit so spärlich sind. |
“The Missing Narrative — How osteobiographical research completes Avar history” by Luna Macho
While the Late Avar Period in Central and Eastern Europe (720-822 AD) provides historians only with little sources of the Avar Empire and its collapse, the archaeological sciences have uncovered multiple burial sites dating to that century of geopolitical instability. In the study presented, osteobiographies conducted on an 8th century Avar population, excavated from today’s Hirschstetten (Vienna, Austria), will reveal insights into early medieval living conditions and health. In doing so, bioarchaeological research of the Late Avar Period not only fills in the knowledge gaps, but also offers an explanation as to why the historical sources fade during that time. |
Luna Macho ist Biologische Anthropologin am Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien
Die Vorträge werdenim 3.OG der Postsparkasse (Zugang über Georg-Coch-Platz 2) hybrid abgehalten, wir freuen uns sehr auf Ihr persönliches Erscheinen und auf die Teilnehmer:innen online! Im Anschluss an den Vortrag und die Diskussion findet ein Postkolloquium in einem nahe gelegenen Restaurant statt.
Gebäudeplan der Postsparkasse
