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Vortrag “Archäofaunen im nördlichen Alpenvorland und dem Alpenrand: Späteisenzeitliche Viehwirtschaft in der Krise?” von Janette Horvath und Simon Trixl (Reihe NeuBioArch)

5. Mai @ 18:30 - 20:00 CEST
Vor dem Hintergrund krisenhafter Ereignisse, wie dem Zusammenbruch der Oppida-Kultur in der späten Eisenzeit im nördlichen Alpenvorland oder der römischen Expansion zunächst in die Alpen und schließlich auch ins Alpenvorland, wurde versucht Indikatoren zu definieren, um krisenhafte Entwicklungen im archäozoologischen Befund fassbar zu machen.

Dazu wurden 14 neue Fauneninventare mit einem Gesamtumfang von 24’861 Knochen sowie zahlreiche bereits publizierte Daten aus dem nördlichen Alpenvorland und den nördlichen Kalkalpen analysiert. Die Analyse umfasste das Siedlungsgebiet der sogenannten Südostbayerischen Gruppe sowie der nördlichen Fritzens-Sanzeno-Gruppe während der späten Eisenzeit und das Gebiet der Heimstettener Gruppe während der frühen Kaiserzeit. Sowohl für die späte Eisenzeit als auch für die römische Zeit und das Frühmittelalter wurden aussagekräftige Faunenkomplexe aus den angrenzenden Regionen des zentralen Arbeitsgebietes hinzugezogen. Die berücksichtigen Vergleichsinventare stammen aus dem gesamten nördlichen Alpenvorland bzw. der späteren Provinz Rätien, der deutschen Mittelgebirgszone, den Südalpen und dem südlichen Alpenrand bzw. der Poebene.

Auswirkungen sozioökonomischer Umbrüche auf die Viehwirtschaft waren durchaus erkennbar. Beispielweise Veränderungen in der wirtschaftlichen Stellung einer Siedlung im Rahmen von Produzenten und Konsumenten oder der Grad von Spezialisierung auf einzelne Aspekte der Viehhaltung. Die Schwierigkeit lag darin geeignete Indikatoren zu definieren und diese anzuwenden.

Feststellbar war, dass sich in archäozoologischen Daten nur in Zusammenhang mit dem archäologischen Befund, Veränderungen in der Viehwirtschaft im Rahmen einer sozioökonomischen Krise feststellen lassen. Ohne integrative naturwissenschaftliche Archäologie, im Zusammenhang mit dem Erstellen einer Feinchronologie kann ein Wandel in der Viehwirtschaft im Rahmen einer Krise nicht beurteilt werden, da ein Wandel auch aufgrund positiver Ereignisse herbeigeführt werden kann.

Against the background of crisis-related events, such as the collapse of the Oppida culture in the late Iron Age in the northern Alpine foothills or the Roman expansion first into the Alps and eventually into the Alpine foothills as well, an attempt was made to define indicators to help identify crisis-related developments in the archaeozoological record.

To this end, 14 new faunal inventories comprising a total of 24,861 bones, as well as numerous previously published data from the northern Alpine foothills and the Northern Limestone Alps, were analysed. The analysis covered the settlement area of the so-called South-East Bavarian Group and the northern Fritzens-Sanzeno Group during the Late Iron Age, and the area of the Heimstetten Group during the Early Imperial period. For the Late Iron Age as well as for the Roman period and the Early Middle Ages, meaningful faunal complexes from the neighbouring regions of the central study area were included. The comparative inventories taken into account originate from the entire northern Alpine foothills or the later province of Raetia, the German low mountain range zone, the Southern Alps and the southern Alpine periphery or the Po Plain.

The effects of socio-economic upheavals on livestock farming were clearly discernible. For example, changes in a settlement’s economic position in relation to producers and consumers, or the degree of specialisation in specific aspects of livestock husbandry. The difficulty lay in defining suitable indicators and applying them.

It was found that changes in livestock husbandry within the context of a socio-economic crisis can only be identified in archaeozoological data when considered in conjunction with the archaeological evidence. Without an integrated, scientific approach to archaeology, in conjunction with the establishment of a detailed chronology, changes in livestock farming within the context of a crisis cannot be assessed, as such changes may also be brought about by positive events.

Janette Horvath ist selbstständig tätige Archäozoologin mit der Firma ArchaeoTask. Simon Trixl ist Archäozoologe am Institut für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der LMU München.

Der Vortrag wird ausschließlich online abgehalten, wir freuen uns sehr auf zahlreiche Teilnahme!

Details

  • Datum: 5. Mai
  • Zeit:
    18:30 - 20:00 CEST
  • Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

  • online

Veranstalter

  • Bioarchäologische Gesellschaft Österreichs
  • Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)